EDEL ROBERT

1904 - 1944 | Birth: , | Arrest: | Residence:

Biography of Robert Wolfgang Edel, by Nicolas Rouzet,
Letters and History teacher at the Don Bosco High School in Marseille.

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Für unsere deutschsprachigen Leser: Die Biographie ist unterhalb der englischen Version auch auf deutsch verfügbar. 

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The author has opted to write in the first person, as if he were Robert Edel.

 

I was born in the Charlottenburg quarter in Berlin on February 4, 1904 into an intellectual milieu. We lived a few streets away from the family of Charlotte Salomon. My father, Max Léopold Edel, was a highly regarded doctor. I, however, preferred the Law and pushed my studies to the doctorate level. But I never really had time to pursue a juridical career. We left Germany when Hitler was elected.

(From April, 1933 Jews were excluded from the civil service, and in 1935 the Nuremberg laws added the law profession.)

 

At that time my wife Frieda and I came to Paris. To make our living I got into making office supplies, with Frieda’s aid. We lived at n° 12 passage de Clichy, where it was very calm, while quite lively at the same time, with warm neighbors, almost like a village! We had no children.

 

Then the war caught up with us. In September of 1939, the French authorities were suspicious of me as a German, and I was interned at Colombes, and then immediately close to Blois in the Villerbon camp. It was not a genuine camp, but rather a few ancient barns scattered around the fields. We did farm work, helping the locals (since almost all the men had been mobilized). We had to put on a brave face. Several French friends wrote letters vouching for me by explaining to the authorities that I was neither a traitor nor a spy. And we were invited to enlist in the Foreign Legion. I accepted without even thinking it over; it was the only way to recover my freedom, oppose Nazism, and prove my loyalty toward the country that had taken me in as a political refugee.

 

I am not boasting when I say that I was never afraid of being killed in combat, but I did fear being taken prisoner. Then everything happened so quickly and confusedly. We had to fall back…I got separated from my unit in the debacle. We no longer had any command structure. We were mixed up with the civilians on the jammed roads, machine-gunned by dive bombers. I changed my uniform for civilian clothes and borrowed a bicycle. I dreaded being apprehended by the German army, as I knew they had lists of opponents and would not cut me any slack. They would find my name on my papers, and being without papers would be worse…

 

Thus did I arrive in Marseille in June of 1940, along with hundreds of Germans in transit, most of whom were going from consulate to consulate, lining up in hopes of getting a visa, and among them were many demobilized legionnaires like myself. I did not wish to leave. And since I did not want Frieda to risk joining me, I waited. I lived from hand to mouth, doing small jobs until I realized I had a real talent for making forged documents, gold at my fingertips! At the end of October, 1942, scenting the arrival of the occupation army in the Free Zone (in Marseille on November 11, 1942), I went underground with the name Robert Dorian. My friend, Albert Wiener, got me a job as a typesetter with the Valabrègues printing company at n° 2 rue Moustié, which made things easier for us…

That is where I was arrested by the Gestapo, along with Albert, on June 28, 1944. It was the accountant who turned us in. If not him, it could have been Madame H., our landlady at n° 87 rue de Breteuil, who was imprisoned at the Liberation. We were sent to Gestapo headquarters on the rue Paradis – and what a fine town mansion – and from there to the Baumettes prison. We were transported across France by train through the turmoil that followed the allied landing. We barely missed being freed in a night attack by the Auvergne resistance fighters. Finally, we arrived here, at Drancy, on the 24th of July.

 

Albert Wiener was not in convoy 77. He survived. It was he who would later tell Frieda about my years in Marseille and the conditions of my arrest.

 

Written and published by Nicolas Rouzet at Marseille in December 2018, in memory of Robert Wolfgang Edel, who was not to be one of those who came back.

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Biografie von Robert Wolfgang Edel

1904-1944 I Geburt: DEUTSCHLAND, BERLIN I Festnahme: MARSEILLE I Residenz: PARIS

von Nicolas Rouzet, Geschichtslehrer am Don Bosco Gymnasium in Marseille.

Der Autor hat sich dafür entschieden, in der ersten Person zu schreiben, so als wäre er Robert Edel.

 

Ich wurde am 4. Februar 1904 in Berlin im Bezirk Charlottenburg in ein intellektuelles Umfeld geboren. Wir lebten ein paar Straßen von der Familie von Charlotte Salomon entfernt. Mein Vater, Max Léopold Edel, war ein renommierter Arzt. Ich bevorzugte jedoch Jura und führte mein Studium bis zum Doktor Titel fort. Doch ich hatte nie wirklich die Zeit, meiner juristischen Karriere nachzugehen/zu etablieren. Wir verließen Deutschland als Hitler gewählt wurde.

(Ab April 1933 wurde Juden aus dem öffentlichen Dienst ausgeschlossen und 1935 kam durch die Nürnberger Gesetze der Beruf des Anwalts hinzu.)

So kamen meine Frau Frieda und ich nach Paris. Um unseren Lebensunterhalt zu verdienen, fing ich an mit Friedas Hilfe Büro Material/Artikel herzustellen. Wir lebten in der Passage de Clichy Nummer 12, wo es sowohl sehr ruhig und zugleich auch belebt war, mit herzlichen Nachbarn, fast wie auf einem Dorf. Wir hatten keine Kinder.

Dann holte uns der Krieg ein. Im September 1939, verdächtigten mich die französischen Behörden auf Grund meiner deutschen Nationalität und ich wurde in Colombes und dann unmittelbar bei Blois im Lager Villerbon interniert: Es war kein richtiges Konzentrationslager, sondern ein paar alte Scheunen, die auf den Feldern verteilt waren/die sich auf den Feldern verloren. Wir leisteten Landarbeit, halfen den Einwohnern/ Bewohnern/Einheimischen/der lokalen Bevölkerung (da fast alle Männer mobilisiert/ eingezogen worden waren). Wir mussten gute Miene zum bösen Spiel machen/einen guten Eindruck machen. Einige französische Freunde schrieben Briefe, in denen sie sich für mich verbürgten, indem sie den Behörden versicherten, dass ich weder ein Verräter noch ein Spion war/sei. Und dann wurde uns angeboten, der Fremdenlegion beizutreten. Ich stimmte zu, ohne es auch nur zu überdenken. Es war der einzige Weg, meine Freiheit zurückzugewinnen, sich dem Nationalsozialismus zu widersetzen und meinen Loyalität gegen über dem Land zu beweisen, das mich als politischer Flüchtling aufgenommen hatte.

Ich prahle nicht damit, wenn ich sage, dass ich nie Angst davor hatte, in einem Kampf getötet zu werden, aber davor, gefangen genommen zu werden. Dann passierte alles so schnell und durcheinander. Wir mussten umkehren… Ich wurde während des Durcheinanders von meiner Einheit getrennt. Wir hatten keine Führungs-/Befehlsstruktur mehr. Wir wurden mit den Zivilsten au den verstopften Straßen durchmischt, die von tief fliegenden Bombern beschossen wurden. Ich tauschte meine Uniform gegen Zivilkleidung und borgte mir ein Fahrrad. Ich fürchtete, von der deutschen Armee festgenommen zu werden, da ich wusste, dass sie Listen mit ihren Gegner besaßen und nicht nachsichtig mit mir sein würden/mich nicht davon kommen lassen würden. Sie würden meinen Namen auf meinen Dokumenten finden und ohne Papiere wäre es sogar noch schlimmer…

So kam ich im Juni 1940 in Marseille an, zusammen mit hunderten deutscher Flüchtlinge, von denen die meisten von Konsulat zu Konsulat gingen, (Schlange standen) in der Hoffnung, ein Visum zu bekommen. Unter ihnen waren viele entmilitarisierte Legionäre wie ich selbst. Ich hatte nicht die Absicht zu gehen. Und da ich nicht wollte, dass Frieda es riskierte mir zu folgen, wartete ich ab. Ich lebte von der Hand in den Mund, erledigte kleine Arbeiten, bis ich bemerkte, dass ich ein echtes Talent dafür hatte, Dokumente zu fälschen. Gold in meinen Händen. Ende Oktober 1942, als ich die Ankunft der Besatzungsarmee in der freien Zone witterte (in Marseille am 11. November 1942), ging ich unter dem Namen Robert Dorian in den Untergrund. Mein Freund Albert Wiener besorgte mir einen Job als Schriftsetzer bei der Druckerei Valabrègues in der Rue Moustié 2, was die Dinge für uns einfacher machte…

Dort wurde ich am 28. Juni 1944. von der Gestapo zusammen mit Albert verhaftet. Es war der Buchhalter, der uns verraten hatte. Wenn nicht er, könnte es Madame H. gewesen sein, unsere Vermieterin in der Rue de Breteuil Nummer 87. Sie wurde bei der Befreiung inhaftiert. Wir wurden in das Gestapo Hauptquartier in der Rue Paradise geschickte – eine schicke Stadtvilla- und von dort zum Baumettes Gefängnis. Wir wurden mit dem Zug durch Frankreich und durch das Chaos, das dem Einmarsch der Alleierten folgte, transportiert. Wir verpassten die Gelegenheit, bei einem Nachtangriff der Widerstandskämpfer der Auvergne befreit zu werden, knapp. Schließlich kamen wir hier, in Drancy, am 24. Juli an.

Albert Wiener war nicht im Konvoi 77. Er überlebte. Er war es, der Frieda später von meinen Jahren in Marseille und den Umständen meiner Verhaftung erzählen würde.

Geschrieben und veröffentlicht von Nicolas Rouzet im Dezember 2018 in Marseille, in Gedenken an Robert Wolfgang Edel, der nicht zu denjenigen gehören sollte, die zurückkehrten.

 

 

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Contributor(s)

Nicolas ROUZET, professeur de Lettres Histoire, lycée Don Bosco, Marseille
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